Vegetarierin für zwei Tage

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Vegetarierin für zwei Tage

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veröffentlicht in Darum lebe ich vegan

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Fleisch habe ich nie viel gegessen. Dafür viel Käse, viele Eier und viel Milch getrunken. Von der Fleischindustrie kannte ich Gerüchte und habe stets die Meinung vertreten, man solle Tiere nicht töten. Aufgehört mit Fleischessen habe ich jedoch trotzdem nicht. Veganer in meiner Umgebung fand ich übertrieben.

Kühe müssen doch Milch geben und Hühner legen doch eh Eier, dann kann ich die doch auch essen.

— Ich, 2017

Von meiner Meinung überzeugt, habe ich nicht groß weiter nachgedacht, dass noch einiges mehr dahinter stecken könnte. Mein Fleisch-, Milch- und Eierkonsum blieb wie er war. Letztes Jahr im Juli haben wir uns entschieden, ein kleines Katerchen aus dem Tierheim zu adoptieren. Merlin heißt er. Je mehr ich Merlin bei uns zu Hause durch die Gegend laufen sah, umso mehr dachte ich darüber nach, wie komisch es ist, dass ich gerade hier sitze und ein Stück Schnitzel oder Bratwurst esse, während ein Tier neben mir herumläuft.

Wo liegt der Unterschied zwischen Merlin und einem Schwein oder einem Huhn?

Eine konsequente Entscheidung

Meine Gewissensbisse wurden stärker. Also fing ich an, mich über Vegetarismus zu informieren. Ich las von den Erfahrungen anderer und stieß dabei auch sehr oft auf den Begriff „Vegan“. Ca. einen Monat nach Merlins Ankunft entschloss ich mich dann komplett auf Fleisch zu verzichten. Das war einfacher als gedacht. Doch ich hatte nicht das Gefühl, damit etwas zu bewirken. Irgendwie reichte mir mein Handeln nicht. Ich kam nach zwei Tagen des Vegetarier-Daseins wieder zurück zu meiner Recherche und stieß wieder auf das Wort „Vegan“. Diesmal ignorierte ich es nicht und las Stunden über Stunden, was „Vegansein“ eigentlich bedeutet und wieso es so einen großen Stellenwert im Leben vieler Menschen hat. Ich stieß auf einige Artikel, die die Zustände auf Milchfarmen oder Schlachthöfen erklärten. Natürlich war ich geschockt. Ich hatte noch nie davon gehört.

Die Welt aus den Augen eines Schweins

In dem Moment war mir eigentlich schon klar, dass ich dieses Leid nicht weiter mit unterstützen kann. Doch was den eigentlichen Ausschlag gegeben hat, war ein Video einer Tierschutzorganisation, das einen durch eine Virtual Reality Brille (in meinem Fall nur am PC) in ein Schlachthaus mitnahm. Ich stand quasi virtuell neben einem Schwein, was bei lebendigem Leibe aufgeschnitten wurde, geschrien und wasserfallartig geblutet hat. Ich habe das gesamte Video durch geweint. Ähnliche Videos oder auch Dokus wie „Earthlings“ usw. habe ich mir direkt danach angeguckt, denn ich wollte nicht weggucken, egal wie schlimm das alles war. Ab diesem Punkt war ich Veganerin. Zumindest gedanklich.

Ich fing dann langsam an, mein Essen an andere abzugeben, da ich es nicht mehr über mich bringen konnte, auch nur noch einen Bissen davon zu essen. Danach habe ich auch direkt noch ca. die Hälfte meiner Kosmetik- und Pflegeprodukte abgegeben, da fast alles von Firmen war, die ihre Produkte an Tieren testeten oder die nicht-vegane Inhaltsstoffe benutzten. Ab da war ich vollwertig vegan. Vegan werden war eine der wichtigsten und besten Entscheidungen, die ich bis jetzt in meinem Leben getroffen habe und das alles verdanke ich meiner kleinen Katze Merlin.

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