Das war der Marsch zur Schließung aller Schlachthäuser 2016!

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Kassel, 11. Juni 2016. Auf dem Königsplatz haben sich um die Mittagszeit Aktivist*innen aus ganz Deutschland eingefunden. Einige von ihnen haben weite Anreisen in Kauf genommen, um rechtzeitig zum Beginn der Tierrechtsdemo „Marsch zur Schließung aller Schlachthäuser“ in der Kasseler Innenstadt zu erscheinen. Nordhessen marschiert bereits zum dritten Mal, 2014 war Kassel die erste Stadt, die sich dem globalen Protestmarsch anschloss. Inzwischen haben drei weitere Städte nachgezogen: Bielefeld, Bremen und München.

Den Tieren eine Stimme geben

Seit letztem Jahr ist Animal Rights Watch e.V. (ARIWA) Träger der Veranstaltung. In Kassel hat es sich bewährt, die Demo in einen Aktionstag einzubetten, auf welchem unterschiedliche Vereine Anlaufstellen für die angereisten Aktivist*innen bieten. Dieses Jahr sind neben dem Trägerverein die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt, Sea Shepherd und das Streetteam der Wilden Hilde, eines Lebenshofs in Niedersachsen, dabei.
Am ARIWA-Infostand begrüße ich ab 12 Uhr in meiner Funktion als Ortsgruppensprecher alte und neue Gesichter, werde nach dem Ablauf und der Route der Demo gefragt, freue mich über so viel Unterstützung. Der Königsplatz füllt sich mit Menschen, viele von ihnen haben Flaggen und Transparente dabei. Unser Team verteilt weitere Plakate und Schilder, um optisch ein starkes Zeichen zu setzen. Akustisch wird der Marsch vor allem durch eine mobile Soundanlage unterstützt, aus der Schlachthofgeräusche über die Königsstraße dröhnen werden, sobald sich der Demozug in Bewegung setzt. Um 12:40 Uhr ist es soweit. Mit zehn Minuten Verspätung geht es los, dieses Jahr nicht erst gegen Nachmittag, sondern schon relativ zu Beginn der Veranstaltung. Vom Königsplatz laufen wir zum Stern und marschieren links über die Kurt-Schuhmacher-Straße, biegen bei der Mauerstraße ein. Einzelne Bürgerinnen und Bürger halten an, versuchen sich ein Bild darüber zu machen, was hier gerade passiert. Neugierige und oft entsetzte Blicke streifen die Demonstrierenden. Wir erreichen die Treppenstraße und der Demozug hält. In zwei weiß bemalten Kartons, die Fleischschalen nachempfunden sind, liegen leicht bekleidet zwei Aktivistinnen, die sich als „Menschenfleisch“ präsentieren.

Der Zusammenhang von verpackter Ware im Supermarkt und dem getöteten Lebewesen dahinter manifestiert sich in diesem Bild. Johanna Leng, Sprecherin der Kasseler Ortsgruppe der Albert Schweitzer Stiftung, hält eine kurze Rede. Nach Rücksprache mit den Ordnungshütern laufen wir weiter über den unteren Teil der Treppenstraße zurück auf die Königsstraße, der Weg wird fortgesetzt Richtung Rathaus.

Fleischverzehr und Welthunger

Einige der Demonstrant*innen sind kostümiert, stellen unterschiedliche Tiere wie Kühe und Schweine dar. Ein Aktivist trägt eine blutige Fleischerschürze, ein anderer präsentiert sich mit gelbem Regenmantel, Mütze und Gummistiefeln als Fischer. In vorderster Reihe marschiert ein schick gekleidetes Paar, er mit Zigarre im Mund und Sonnenbrille, sie mit Goldschmuck und stark geschminkt. „Fleischkonsum macht uns reich“, steht auf dem Schild, das die Dame trägt. Direkt daneben läuft eine junge Frau in zerrissener Kleidung. Auch sie hält ein Transparent, auf diesem steht geschrieben: „Fleischkonsum lässt mich hungern“. Es geht also nicht nur um die Tiere, Fleischkonsum stellt uns vor ein Verteilungs- und Ressourcenproblem, das zum Welthunger führt.
Vier Aktivist*innen tragen einen Sarg mit den Zahlen getöteter Tiere pro Jahr in deutschen Schlachthöfen in Gedenken an die, deren Angst niemand sieht, deren Schreie niemand hört und deren Leid niemand ertragen will, wenn es „um die Wurst“ geht.

Zum Rathaus und zurück

Mittlerweile sind die knapp 200 Marschierenden an der Rathaustreppe angekommen und erklimmen die Stufen. Fahnen mit dem Aufdruck „Animal Liberation – Human Liberation“ werden geschwenkt, Banner und Transparente werden gehalten, aus den Boxen dröhnen abwechselnd Herzklopfen und die panischen Schreie eines Schweins, das keiner hören will – die Teilnehmenden eingeschlossen – dem sich aber niemand entziehen kann. Das ist nicht lächerlich, das ist nicht pathetisch. Das ist echt. Und es gehört so lange dazu wie Tiere als Waren angeboten werden, auch wenn die Anbieter von Tierprodukten diesen Teil der Realität lieber ausblenden.

Johanna Leng gibt ein Zeichen, deutet an, dass es es weitergeht. Wir marschieren nun das letzte Stück der Königsstraße hinunter und erreichen nach einer Dreiviertelstunde den Königsplatz, von dem aus der Demozug startete. Kurze Verschnaufpause und Zeit für die Demogänger*innen, sich an den Infoständen etwas umzuschauen. Erste Rückmeldungen. „Ich bin sehr froh, dass ich bei dem Marsch dabei sein durfte“, sagt Isabell, die extra aus Lorsch in Südhessen angereist ist und im Schweinekostüm zur Demo ging. Sie wolle nächstes Jahr unbedingt wiederkommen, versichert sie noch ganz überwältigt von der positiven Atmosphäre und sie finde es wichtig, dass es Menschen gäbe, die so etwas organisieren. „Man hätte noch bei McDonald’s halten sollen“, meint Simone aus Marburg, ist aber ansonsten mit dem Ablauf mehr als zufrieden. Auch sie plant 2017 in Kassel wieder dabei zu sein.

Gastredner Professor Ewald Rumpf

13:40 Uhr. Professor Ewald Rumpf, der seit 1971 an der Universität Kassel im Bereich Psychologie lehrt, bereitet sich auf seine Rede vor. Wir beschließen die Redebeiträge vorzuziehen, um besonders die Angereisten aus weiter entfernten Regionen sowie natürlich unseren Prof. Rumpf nicht zu lange warten zu lassen. Um 14 Uhr soll es losgehen, dann verlässt uns leider das Glück, das uns bis dahin gutes Wetter, eine funktionierende mobile Soundanlage, viele und begeisterte Demonstrant*innen sowie freundliche Polizeibeamte bescherte. Nach wenigen Sekunden, in denen sich der Redner an das gespannte Publikum wendet, müssen wir einen Ausfall des Mikrofons verzeichnen. Auch ein zweites lässt sich nicht in Betrieb nehmen. Aufgrund von technischen Schwierigkeiten, die wir auch durch unseren Plan B nicht lösen können, kommen wir nicht umhin, das Megaphon für die Reden zu nutzen. Zwar wurde uns im Nachhinein gesagt man habe die ruhig vorgetragene Rede des geduldigen Professors zumindest aus der Nähe verstehen können, aber unsere eigene Zufriedenheit über die technische Panne hält sich in Grenzen. Wir möchten uns an dieser Stelle für das Verständnis aller Anwesenden bedanken und versprechen, dass wir das im nächsten Jahr besser hinkriegen. Dann kommen wir mit Plan C, D und notfalls auch E, versprochen!

Großzügige Spende zum Abschluss

Trotz technischer Schwierigkeiten kommt die Rede von Prof. Rumpf gut an und erntet Applaus. Zum Dank wird der Redner von Moderatorin Leng mit einem kleinen Gastgeschenk verabschiedet. Während der restlichen Zeit bis zum Abbau der Infostände und dem offiziellen Ende der Veranstaltung um 17 Uhr erhalten wir noch regen Zulauf. Die großzügige Einzelspende von 100 Euro an den Lebenshof „Wilde Hilde“ macht die Runde. „Es ist ja für eine gute Sache“, habe die Spenderin schmunzelnd gesagt und den 100-Euro-Schein in den Einwurfschlitz der Metalldose gesteckt. Da die Betreiber des Lebenshofs auf Spenden angewiesen sind, um die dort untergebrachten Tiere zu ernähren, freuen sich die Standmitarbeiter*innen über die finanzielle Hilfe.

16:30 Uhr, der Königsplatz hat sich geleert und auf den Bierbänken vor unseren Pavillons sitzen nur noch zwei Teilnehmer, die sich angeregt unterhalten und denen wir noch ein paar vegane Kostproben anbieten, bevor wir die Zelte abbrechen und abbauen. Für mich und unser Team endet nun ein anstrengender aber sehr erfolgreicher und als insgesamt absolut lohnenswert empfundener Veranstaltungstag. Das war der Marsch zur Schließung aller Schlachthäuser 2016.

Wir sehen uns nächstes Jahr!

Wir möchten uns ganz herzlich bei allen bedanken, die an unserer Veranstaltung teilgenommen haben, auch denen, die interessiert waren aber aus terminlichen oder anderen Gründen nicht erscheinen konnten, die uns beworben und empfohlen haben. Danke an unser Organisationstalent Ines Werner, das war eine unglaubliche Leistung! Und an Prof. Rumpf, der unseren Demozug begleitete und extra einen Redebeitrag vorbereitet hatte. Danke, danke, danke! Wir hoffen, euch alle und noch viel mehr Menschen 2017 als Teilnehmer*innen willkommen zu heißen, wenn wir Mitte des Jahres erneut marschieren. Bis dahin verweisen wir für Interessierte auf unsere tierrechtlichen Ortsgruppen und zum unkomplizierten Kennenlernen auf unseren vereinsunabhängigen veganen Stammtisch, der jeden ersten Sonntag im Monat im Restaurant Abessina stattfindet.

Bis zum nächsten Marsch, wir sehen uns in Kassel und wir bringen alle gemeinsam die Stimmen der Tiere dahin, wo sie die Fleichindustrie nicht sehen will: in die Öffentlichkeit!

Medien, Presse und weiterführende Links

Die Videos und Fotos zum Marsch 2016 findest du hier:

Galerie zum Marsch zur Schließung aller Schlachthäuser 2016

Du hast selbst Fotos oder Videos bei der Veranstaltung aufgenommen und gestattest uns deren Veröffentlichung? Dann schick uns das Material an info@kassel-vegan.de!

Presseberichte

Weiterführende Links

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Karl-Hermann Schuricht
Karl-Hermann Schuricht
20. Juni 2016 14:49

Niemals aufgeben an unseren Erfolg zu glauben

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